Herr Jauch, was bedeutet für Sie Lust auf Land? 

Es ist einfach der komplette Gegensatz zur Großstadt. Ruhe, Natur, zuweilen auch einfach eine gewisse Gemächlichkeit, die einem positiv aufs Gemüt schlägt.

Sie und Ihre Familie leben im idyllischen Potsdam. Kommt hier auch Landlust auf?

Potsdam ist natürlich die ideale Verbindung aus der Nähe zu Berlin und gleichzeitigem Leben am Wasser in oft sehr schönen Häusern, die hier in den letzten 300 Jahren entstanden und zu einem guten Teil zum Glück auch noch erhalten sind.

Welche Vorteile hat für Sie das Land- beziehungsweise das Stadtleben?

Der Gegensatz macht den Reiz aus. Potsdam und Berlin mit ihren so vielfältigen Möglichkeiten von der Kultur bis hin zu einer inzwischen wirklich sehr ansehnlichen Gastronomie. Und auf der anderen Seite die dörfliche Idylle mit ganz anderen Qualitäten.

Als Kind verbrachten Sie Ihre Ferien auf dem Weingut Ihres Großonkels. Bitte erzählen Sie uns von diesen Momenten.

Mein Vater nahm mich dorthin mit und ließ mich in einem herrlichen Park mit alten Bäumen spielen. Die Verwandtschaft gab mir ständig was zu futtern und abends schlief ich dann im Bett vom Urgroßonkel Carl. Den imposanten Weinberg und den Betrieb drumherum habe ich als Kind gar nicht so wahrgenommen.

Im Jahr 2010 haben Sie das Weingut von Othegraven schließlich übernommen und setzen damit eine 200-jährige Familientradition fort. Wie kam es dazu?

Nach dem Tod meines Großonkels vor fast 50 Jahren übernahm seine Witwe noch fast 30 Jahre das Gut und starb kinderlos und hochbetagt. Die Großtante adoptierte vor ihrem Tod eine Großnichte aus ihrer Familie. Weil deren Kinder das Gut nicht übernehmen wollten und ich von dem Gerücht, dass von Othegraven zum Verkauf stünde, hörte, habe ich mich bei der damaligen Eigentümerin, Frau Dr. Kegel, gemeldet.

Wie haben Sie sich auf diese neue Herausforderung vorbereitet?

Wir sind jahrelang regelmäßig nach Kanzem gefahren und haben lange hin und her überlegt. Im schönsten Sonnenschein auf der Terrasse zu sitzen und den Vögeln im Park, der inzwischen auch ein Gartendenkmal ist, zu lauschen, ist eine Sache. Ein Spitzenweingut zu besitzen und es zukunftsfähig aufzustellen, eine ganz andere, natürlich ungleich schwerere Aufgabe. Wir haben das dann vor sechs Jahren gewagt und bisher zu keinem Zeitpunkt bereut.

Würden Sie sich eher als Weinbauer oder Weingenießer beschreiben?

Beinahe hätte ich gesagt: Weder noch. Ich habe nicht die entsprechende Ausbildung und taste mich an die Verhältnisse im Berg ebenso heran wie an den Zustand im Glas.

Tragen Sie an regnerischen Tagen auch Gummistiefel und packen Sie selbst mit an?

Aber natürlich, wenn jede Hand gebraucht wird. Auf der anderen Seite liegen meine Stärken eher woanders. Im Büro kann ich mich schon nützlicher machen, und unsere Arbeiter im Weinberg sind mir an Erfahrung und vor allem beim Tempo weit voraus.

Wie kann man sich Ihren Alltag zwischen Stadt und Land, also zwischen TV-Show und Weinberg, vorstellen?

Alles zu seiner Zeit, wobei sich die Zeitachse langsam, aber stetig in Richtung Wein verschiebt.

Was ist auf dem Weingut anders als im Medienbetrieb?

Fast alles. Die Abhängigkeit von der Natur, keine tägliche Einschaltquote, sondern einmal im Jahr die Lese und alles, was dann am Ausbau des Weins im Keller mit dranhängt. Wenn ich nicht von den absoluten Spitzenlagen, über die von Othegraven zum Glück ausschließlich verfügt, und von der Qualität des Teams, das ich komplett übernommen habe, überzeugt gewesen wäre, hätte ich das Abenteuer nie gewagt.

Jetzt ist es so weit, dass viele Weine schon vor der neuen Abfüllung ausverkauft sind. Das ist gleichzeitig schön und doch auch ein bisschen schade, weil wir nicht immer jeden Wunsch erfüllen können.

Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages komplett auf das Weingut zu ziehen?  

Das ist mir im Moment wirklich zu weit weg. Ich habe immer noch mehr als genug mit meinen Sendungen zu tun, dann gibt es weiter die Fernsehproduktionsfirma in Köln und eben von Othegraven. Ich denke, dass das für die nächsten Jahre erst mal so bleiben wird. Das Eintauchen in völlig unterschiedliche Welten macht mir noch immer Freude. Und ganz ehrlich: Ein Weingut ist auch etwas erotischer, als wenn mein Ururururgroßvater stattdessen eine Sockenfabrik gegründet hätte.