Was macht für Sie den perfekten Gastgeber aus?

Ein perfekter Gastgeber schenkt seinen Gästen ein gutes Maß an Aufmerksamkeit. Bei einer privaten Einladung zu Hause sowie an der Bar hinter der Theke ist es wichtig, nicht jemanden zu vernachlässigen, aber auch nicht zwingend zu versuchen, Small Talk zu führen, da andere Gäste sich gezwungen fühlen könnten, mitmachen zu müssen.

Eine persönliche Begrüßung wird immer erwartet, und bei einer privaten Einladung sollte jeder Gast vom Gastgeber vorgestellt werden. So war und ist es teilweise noch in klassischen Bars, der Barmann (in diesem Fall der Gastgeber) stellt Gäste aneinander vor, wenn sie es möchten.

Für mich ist eine Bar ein Ort, an dem man alleine sein kann, ohne einsam zu sein, es liegt in der Verantwortung des Gastgebers (Barmanns), diesem Raum einen eigenen Charakter zu geben und ihn zu prägen. Und so umfasst guter Service mehr als nur die Herstellung von Getränken. Dazu gehören viele weitere Punkte wie zum Beispiel die Musik, das Ambiente, der Stil. Ein Barmann hat die Aufgabe, diese Punkte zu einem harmonischen Bild zu arrangieren.

Warum sind Sie ein guter Gastgeber?

Während meiner Arbeit als Barmann habe ich bei meinen Drinks, die ich mit Liebe zubereitet habe, viel gehört und viel erzählt. Einen Raum geschaffen, in dem der Gast sein und bleiben kann, abgeschirmt von störenden Einflüssen, Musik lauter und leiser gemacht, versucht, Stimmungen einzufangen. War da, wenn Leute Leid oder Freude teilen wollten.

Wie oft laden Sie Gäste ein?

Bei uns zu Hause kommt es sehr oft vor, dass wir Gäste einladen, sei es auf einen Drink oder zum Abendessen mit mehreren Gängen. Dabei versuche ich als Gastgeber natürlich, vorher herauszubekommen, was unsere Gäste nicht mögen oder wogegen sie allergisch sind. Bei den Getränken biete ich immer eine Alternative ohne Alkohol an. Dabei ist die Reihenfolge der Getränke, wie ich finde, völlig egal, ich serviere meistens Cocktails, Champagner und natürlich Wein als Begleitung zum Essen.

Seit Neuestem biete ich die Alternative an, Cocktails zum Essen zu bekommen anstatt Wein. Wie überrascht die Gäste sind, dass das wunderbar harmoniert. Bei meiner Arbeit an der Bar wiederum lade ich selten Gäste auf ihre Getränke ein, das hat viele Gründe, deren Erläuterung ich aber gerne für mich behalten möchte. Bartenders’ Principle.

Bitte beschreiben Sie den perfekten Abend für einen Gastgeber – von der Vorbereitung bis zur Tischdekoration.  

Nehmen Sie sich genug Zeit für das sogenannte Mise en Place (Vorbereitung), kühlen Sie die Getränke Stunden voraus und achten Sie auf die Speisetemperatur (Fleisch sollte zum Beispiel Zimmertemperatur haben), wählen Sie Ihre Tischdekoration dem Anlass entsprechend aus, doch bedenken Sie, dass hier weniger manchmal mehr ist.

Der Tisch sollte noch Platz haben zum Abstellen persönlicher Gegenstände, und es sollte genug Raum sein, um in Ruhe essen zu können, und das Besteck und Teller problemlos passen.

Eine Speisekarte könnten Sie mit dazulegen, um den Gästen schon mal einen Vorgeschmack darauf zu geben, was serviert wird. Dabei sollte man aufpassen, dass man nicht jede einzelne Zutat aufschreibt, sondern die Karte kurz und bündig hält. Alle Gäste sollten an der Tür abgeholt und einander vorgestellt werden. Um die Zeit bis zum Essen zu überbrücken, sollten kleine Canapés und Erfrischungen gereicht werden, gerne auch schon mit Alkohol (Cocktails).

Eine Kulanz von 45 Minuten sollte man den Gästen bis zum Erscheinen einräumen und dann mit dem Essen beginnen. Als Gastgeber nicht den Fehler machen und den Kellner spielen, sondern gerne auch die Gäste selbst einschenken lassen, das erzeugt Harmonie und Beisammensein. Wenn möglich, nicht abwaschen nach dem Abendessen, sondern mit in der Runde vielleicht den ein oder anderen Drink nehmen bis zum Ausklang.

Wie suchen Sie die Getränke für solch einen Anlass aus?

Ich finde, dass man sich nicht ganz einem Thema widmen sollte, um zu sagen, heute feiere ich Geburtstag, also darf es auch ein teurer Champagner sein. Ich denke eher, der Moment an sich ist wichtig.

Ich kann mich an eine Situation erinnern, als wir mit ein paar Freunden zu Hause einfach einen netten Abend hatten und jemand sich den Spirituosenschrank anschaute und meinte, wie gerne er jetzt diesen seltenen Gin trinken würde mit dem passenden Tonic. Da beides vorrätig und die Situation perfekt war, war die Flasche schon geöffnet, und wir tranken an dem Abend den bestmöglichen Gin Tonic gemeinsam.

Was darf bei einem perfekten Abend nicht fehlen?

Kümmern Sie sich um Ihre Gäste, haben Sie Humor und seien Sie locker und entspannt. Suchen Sie sich die richtige Mischung an Gästen aus, und haben Sie genug zum Essen und Trinken da.

  • Cihan empfiehlt
  • Jas Fashioned
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  • The One

"Eine Bar ist ein Ort, an dem man allein sein kann, ohne einsam zu sein“, schwärmt Cihan Anadologlu.

Er gehört zu den besten Barkeepern der Welt und verrät: „Der Mann, der gerne eine Bar besucht und sich auch ab und an dem Bartender anvertraut, ist experimentierfreudig und bestellt gerne auch klassische Drinks sowie Neuinterpretationen davon.

Einem „Old Fashioned“-Cocktail ist man nie abgeneigt, und herbstlich serviert würde ich Folgendes empfehlen:

Jas Fashioned

- 6 cl Hennessy VS Cognac

- 1 cl Honigsirup

- 3 Tropfen Angostura Bitters

- 4 Brombeeren, zerstoßen

- 1 Sternanis

- frische Zeste von der Zitrone und Orange

Alles zusammen mit Eis in Whiskey-Tumbler-Glas verrühren.

Und weiter:

„Die Damen von Welt, die regelmäßig ausgehen, das Ambiente einer guten Bar zu schätzen wissen und schon den ein oder anderen Cocktail probiert haben, werden sich sicherlich dem Barmann anvertrauen und sich einen Drink zubereiten lassen. Dabei ist es die Arbeit des Barmanns, die Damen durch den Abend zu geleiten und nicht betrunken zu machen.

Mein Tipp für die Frau von Welt:

The One

- 3 cl Hendrick’s Gin

- 0,5 cl Stahlemühle’s Sizilianischer Blutorangenbrand

- 4 Tropfen The Bitter Truth Rosenwasser

- 4 Blätter Marokkanische Minze

- Top mit Champagner

Alles zusammen mit Eis in einem Weinglas verrühren.